Archiv Seite 2

Müller-Montag. Heiner-Müller-Bibliographie

Wie stellt man eine Bibliographie vor? Ist das nicht eine skurrile Idee? Geht das überhaupt? Die Internationale Heiner-Müller-Gesellschaft, die im Literaturforum im Brecht-Haus regelmäßig den sogenannten Müller-Montag veranstaltet, hat es versucht. Herausgekommen sind zweieinhalb Stunden Langeweile, eine Zeitverschwendung allererster Güte. (mehr…)

Verwertungslogik: alte Schule

Eine Freundin erzählt mir von der Umschulung. Im Deutschunterricht, gibt es Bewerbungstraining. Der Lehrer sagt, das wichtigste ist ein seriöses Anschreiben, das Vertrauen erzeugt. Deshalb sei gutes Deutsch wichtig. Vorne links meldet sich jemand. Es ist die Blondierte mit den hochhackigen Schuhen, in denen sie kaum laufen kann. „Für mich das wichtigste ist das Bewerbungsfoto. Deshalb habe ich auch extra chicke machen lassen, so mit nachretouchiert und so.“ „Das Bewerbungsfoto ist natürlich auch wichtig. Es gibt Ihnen die Möglichkeit, sich mit Ihrer ganzen Person zu präsentieren“, sagt der Lehrer. „Genau, ganze Person. Wenn der Chef die Bewerbungsmappe aufmacht und mein Bild sieht, soll der sich denken: Wow! Die will ich ficken. Dann hab ich den Job.“
Man fragte sich, ob das Leben den Witz nachahmt, oder der Witz das Leben. Denn zweifelsohne handelt es sich hier um einen klassischen Blondinenwitz-Plot. Und es haben, wie ich mir habe versichern lassen, auch alle gelacht. Es war aber vollkommen ernst gemeint.

Der Märchenerzähler ist da

Jüngst war ich mit einer lieben Bekannten in Beeskow, um mir eine Ausstellung anzusehen. Ein Besuch Beeskows, man muss das hier laut und vernehmlich sagen, lohnt sehr. Denn diese durchaus reizende Kleinstadt im Oder-Spree-Kreis hat etwas zu bieten, das einzigartig ist: das Kunstarchiv Beeskow, eine Sammlung ehemaliger DDR-Kunst, insgesamt 23.000 Objekte, von denen immer wieder einige für Ausstellungen ausgewählt und kompiliert werden. (mehr…)

Eine kleine Ergänzung zu Wieland Herzfelde

Wir hatten Anlaß über Wieland Herzfelde zu sprechen. Nun stoßen wir zufälligerweise auf eine Anekdote denselben beteffend1, die so köstlich ist, daß Sie hier einfach wiedergegeben werden soll – nicht zuletzt weil sie in den Themenumkreis des Stalinismus gehört, dem wir uns ja auch in unserem letzten Beitrag widmeten. (mehr…)

Dadada, oder: „Dada hat Gott sei Dank seinen Lukács nicht gefunden“ – Wieland Herzfelde im Jahr 1976

„Da da da“ war nicht nur der große Hit der Neuen Deutsche Welle-Formation Trio. Dada oder Dadaismus, das war auch die von Zürich ausgehende, mitten im Ersten Weltkrieg begründete literarische Bewegung, die in einer radikalen Umkehr alles bisher Dagewesenen mit den Konventionen der Kunst und des guten Geschmacks aufräumte. So dichtete Hugo Ball 1916, recht passend zum ‚Gaga‘ der Deutschen in den Schützengräben und an der Heimatfront, seinen Totentanz nach der Melodie des Soldatenliedes „So leben wir“:

„So sterben wir, so sterben wir.
Wir sterben alle Tage,
Weil es so gemütlich sich sterben läßt.
Morgens noch in Schlaf und Traum
Mittags schon dahin.
Abends scho zuunterst im Grabe drin.“

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