Tag-Archiv für 'ddr-literatur'

Dadada, oder: „Dada hat Gott sei Dank seinen Lukács nicht gefunden“ – Wieland Herzfelde im Jahr 1976

„Da da da“ war nicht nur der große Hit der Neuen Deutsche Welle-Formation Trio. Dada oder Dadaismus, das war auch die von Zürich ausgehende, mitten im Ersten Weltkrieg begründete literarische Bewegung, die in einer radikalen Umkehr alles bisher Dagewesenen mit den Konventionen der Kunst und des guten Geschmacks aufräumte. So dichtete Hugo Ball 1916, recht passend zum ‚Gaga‘ der Deutschen in den Schützengräben und an der Heimatfront, seinen Totentanz nach der Melodie des Soldatenliedes „So leben wir“:

„So sterben wir, so sterben wir.
Wir sterben alle Tage,
Weil es so gemütlich sich sterben läßt.
Morgens noch in Schlaf und Traum
Mittags schon dahin.
Abends scho zuunterst im Grabe drin.“

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‚Gossip‘ und anderes aus der Geschichte der DDR-Literatur. Über Gunter Kunerts Autobiographie

Kürzlich fiel uns die Autobiographie von Günter Kunert in die Hände. Sie heißt „Erwachsenenspiele“. Ein 447 Seiten starkes Buch, das sich dem wissensdurstigen Literaturwissenschaftler als ergiebige Quelle erweist, weil es vor allem eines liefert: ‚literary gossip‘.
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Bitterfelder Impressionen

1959 fand in der Chemiestadt Bitterfeld, östlich von Halle gelegen, eine Konferenz statt, die die 1957 verkündete ‚Kulturrevolution‘ in der DDR auf eine neue Ebene hob. Beschlossen und im Anschluss – wie das in der DDR so üblich war – medial verbreitet und propagiert, wurde der Bitterfelder Weg. Unter dem programmatischen Slogan „Greif zur Feder, Kumpel!“ sollte die Verbindung zwischen Literatur und Arbeitswelt, zwischen SchriftstellerInnen und ArbeiterInnen enger werden.
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