Tag-Archiv für 'literatur'

Gen-Fragen

Wir hatten hier anlässlich Arno Schmidts „Gelehrtenrepublik“ Gelegenheit, ausführlich über Eugenik zu sprechen, sozialistische Eugenik, um genau zu sein. Wer konnte denn wissen, dass kurz danach, die Frage nach den Genen, den ‚richtigen‘ wohlgesagt, zum Medienthema Nr. 1 avanciert?
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‚Gossip‘ und anderes aus der Geschichte der DDR-Literatur. Über Gunter Kunerts Autobiographie

Kürzlich fiel uns die Autobiographie von Günter Kunert in die Hände. Sie heißt „Erwachsenenspiele“. Ein 447 Seiten starkes Buch, das sich dem wissensdurstigen Literaturwissenschaftler als ergiebige Quelle erweist, weil es vor allem eines liefert: ‚literary gossip‘.
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Sex, Politics und ein literarischer ‚Diebstahl‘ – Teil III

III.
Was ist nun der literarische ‚Diebstahl‘, über den hier noch zu reden ist? Das Thema ist einigermaßen abstrus, und es erscheint nicht verwunderlich, dass es im Zusammenhang mit einem dystopischen Roman mit Sciencefiction-Charakter vorkommt.
Wir haben erfahren, dass die Sowjets im Schmidtschen Kosmos des Jahres 2008 lebende Organe verpflanzen, um bedeutende Menschen am Leben zu halten, ja zu ‚verbessern‘. Was seinerzeit als Schabernack gelten musste, nennt sich heute Organtransplantation und ist ein völlig normales medizinisch-chirurgisches Verfahren. Aber Schmidt geht noch weiter! Nachdem Winer in einem Krankenhaus aus dem Mund von Professor Schukowski von dieser sagenhaften Methode erfahren und auch zwei solcher Patienten mit eigenen Augen gesehen hat, erklärt ihm Uspenskij seelenruhig, „daß sie selbstverständlich auch systematisch Zuchtwahl betrieben“. Und als Winer sichtlich aufgebracht äußert: „Das ist doch unmöglich!“, antwortet der selbstbewusste Kommunist: „Für Sowjetmenschen gibt es kein ‚Uunmögglich‘.“
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Sex, Politics und ein literarischer „Diebstahl“. Arno Schmidts „Gelehrtenrepublik“ – Teil II

II.
In aufklärerischer Funktion – und nicht nur was literarische Techniken angeht – wünscht man sich den Roman aber auch noch in anderer Hinsicht als Schullektüre – betreffs der Schilderung des Kalten Krieges nämlich. Die IRAS ist ein ziemlich getreues Abbild der Weltlage des Jahres 1957, aufgeteilt in die Machtgebiete der zwei großen Reiche, des Imperialismus und des Kommunismus. Der Roman macht sich nun das Vergnügen, diese beiden in wahnwitziger Übersteigerung vorzuführen, ihre Prinzipien grell auszustellen.
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Sex, Politics und ein literarischer „Diebstahl“. Arno Schmidts „Gelehrtenrepublik“ – Teil I

Im Jahr 1957 erschien im Karlsruher Stahlberg Verlag ein Roman, der heute ein bemerkenswertes literarisches Dokument des Kalten Krieges ist. Die Rede ist von Arno Schmidt und dessen Kurzroman „Die Gelehrtenrepublik“. Schmidt lässt darin den Reporter Charles Henry Winer zu Wort kommen, der von seiner abenteuerlichen Reise zur IRAS, der International Republic for Artists and Scientists berichtet. Es wird hier kaum der Ort sein, der Arno-Schmidt-Philologie, die in den vergangenen zwanzig, dreißig Jahren wahrlich explodiert ist, einen neuen Baustein hinzuzufügen, nicht einmal ein Bausteinchen.
Ich will aber doch auf zwei Dinge aufmerksam machen, die mir bemerkenswert erscheinen und die erklären mögen, warum es auch heute noch lohnt, diesen schmalen Band, den man in ein paar Stunden durchgelesen hat, zur Hand zu nehmen. Das betrifft einerseits die Schilderung sexueller Vorgänge, in die Winer noch während seiner Reise zur IRAS ‚verwickelt‘ wird, und zum anderen die Beschreibung der gesellschaftlichen Einrichtungen der Sowjet-Kommunisten im Roman – denn die IRAS ist ein ziemlich getreues Abbild der politischen Welt der 1950er Jahre, d.h. sie ist zwischen Ost und West, zwischen der UdSSR und der USA geteilt. Als drittes und letztes möchte ich dann noch einen literarischen „Diebstahl“ aufdecken, der mir äußerst gelungen – und also völlig legitim – erscheint.
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